Im Kontext der zunehmenden Integration der erneuerbaren Energien rücken Bürogebäude als bislang unterschätzte Flexibilitätsressource in den Fokus der Forschung.
Bürogebäude bieten besonders günstige Voraussetzungen für eine aktive Rolle im Energiesystem: Sie zeichnen sich durch konsistente Nutzungsprofile, eine fortschrittliche technische Infrastruktur und ein hohes wirtschaftliches Interesse der Eigentümer aus. Durch den schrittweisen Ausbau von Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern, effizienten HVAC-Systemen und der Integration von Elektrofahrzeugen kann ein Bürogebäude vom passiven Verbraucher zum aktiven Prosumer und Flexibilitätsanbieter im Energiemarkt werden.
Das zentrale Ziel der Dissertation und des Forschungsprojekts „EnBue – Energiewende im Büro“ ist die Entwicklung einer umfassenden, simulationsbasierten Methodik zur Planung, Bewertung und Optimierung der Energieflexibilität bestehender Bürogebäude.
Die Methodik gliedert sich in drei Kernbereiche: Zunächst wird ein konsistentes Set an Key Performance Indicators (KPIs) entwickelt, das die Flexibilität von Bürogebäuden quantifizierbar und vergleichbar macht. Aufbauend darauf entsteht ein physikalisch fundiertes Gebäudemodell welches insbesondere die thermische Gebäudemasse explizit als Kurzzeitspeicher berücksichtigt und die diskreten Teilsysteme in einem integrierten Optimierungsmodell zusammenführt. Schließlich wird das Modell anhand eines realen Bürogebäudes mit hohem technischem Standard validiert und für die Entwicklung individueller, gebäude- und zeitabhängiger Betriebsstrategien genutzt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der wirtschaftlichen Bewertung: Verschiedene Erlösmodelle – darunter Peak Shaving, Teilnahme am Regelenergiemarkt, Arbitragegewinne durch dynamische Tarife sowie Netzentgeltreduktion gemäß StromNEV und §14a EnWG – werden analysiert und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf Bürogebäude im Niederspannungsnetz bewertet. Ziel ist es, Transformationspfade aufzuzeigen, die für Gebäudeeigentümer wirtschaftlich attraktiv und gleichzeitig netzfreundlich sind.
Die Ergebnisse der Forschung sollen konkrete Handlungsempfehlungen für Gebäudeeigentümer, Energieversorger und politische Entscheidungsträger liefern. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Sektorkopplung auf Gebäudeebene und zur Integration von Bürogebäuden als flexible, aktive Teilnehmer in die Energie- und Flexibilitätsmärkte der Zukunft.
